Die Zeit der Freiheitsbewegung in Deutschland nach 1818 war u.a. gekennzeichnet durch liberale Ideen und durch starke Freiheitsbestrebungen der Turnerschaft. Friedrich Ludwig Jahn, E. Eiselen, F. Friesen u.a. entwickelten die heutige Form des Turnens. Das 1819 ausgesprochene Turnverbot führte zu illegaler Ausübung mit verstärkter Fortentwicklung des Geräteturnens. Nachdem 1842 die Turnsperre wieder aufgehoben wurde, fand die Forderung nach einem allgemeinen Schulturnen rasch überall Zustimmung. Mußten auch die Leibesübungen durch die Übernahme in die damaligen Lehr- und Autoritätsschulen eine Einengung erfahren, so war doch der Beweis der Schulfähigkeit des Turnens erbracht. Hervorragenden Anteil daran hatte der Schriftsteller und Pädagoge Adolf Spieß (1810 - 1858), der durch sein Bestreben, die Leibesübungen in den Schulen in Stoffgebiete aufzuteilen, in Einzelteile zu zerlegen, um sie analytisch lehren zu können, leider auch umgekehrt dazu beitrug, das Turnen ungewollt zu verengen.
Vor diesem historischen Hintergrund steht der Beginn des Turnens in Balingen. Am 18. Juni 1848 versammelte sich eine Anzahl junger Männer zur Gründung eines Turnvereins. Der Besprechung und Beratung legte man die Satzung des am 4. Mai 1848 gegründeten Turnvereins Nürtingen zugrunde. Dieser Turnverein setzte es sich zur Aufgabe, durch sogenannte Turnübungen von mehr volkstümlicher und natürlicher Art den Körper dem Geist dienstbar zu machen, durch Wehrübungen die Jugend für die Bürgerwehren - die in jeder Stadt aufgrund gesetzlicher Vorschriften zu bilden waren - vorzubereiten und durch politische Bildung zu freien und tüchtigen Staatsbürgern heranzubilden. Die Turnidee setzte sich durch, es gelang die Gründung eines Turnvereins. Die heute noch vorhandenen urkundlichen Nachweise zeigen einen Mitgliederstand von 28 auf. Es wurden drei Riegen gebildet, dazu eine Sängerabteilung, deren Leitung Schulmeister Berger hatte. An drei Abenden der Woche wurde geturnt, an zwei Abenden wurde exerziert, am Samstagabend war Singstunde. Als Vorstand wird Stadtschultheiß Sigel genannt, Turnwart war Ackermann, Exerziermeister Berstecher, Feldwebel war Balthasar Stähle.
Am 2. Juli 1848 gab sich der Verein eine eigene, bis heute noch mustergültige Satzung. Diese unterschied sich wesentlich von der Mustervorlage des Turnvereins Nürtingen. Die Pflege gemeinschaftlicher Körperübungen wird darin als Zweck des Vereins genannt; eine politische Zielsetzung wird bewußt vermieden, ja sogar abgelehnt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, in welche politisch unruhige Zeit diese Vereinsgründung fällt.
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